Dienstag, 25. Juni 2019

06. Februar 2006 - Übung

Bericht aus der Landeszeitung vom 07.02.2006

Feuerwehr probt Rettung aus eisigen Fluten
In einer großen Übung haben Feuerwehr,DRK-Ersthelfer und Polizei trainiert, Menschen zu retten,
die ins Eis eingebrochen sind. Ein Szenario, das schnell zum Ernstfall werden kann.

Langwedel/sim

Ganz langsam robbt Feuerwehrmann Thorsten Laß über den zugefrorenen Pohlsee. Der Eisendorfer hat nur ein Ziel. Er will den in der Mitte des Sees im Eis eingebrochenen Mann retten. Was so dramatisch anmutete, war glücklicherweise kein Ernstfall. Die Nortorfer Feuerwehr veranstaltete am Sonntag in Langwedel eine große Eisrettungsübung.

„Allein hätte ich keine Chance gehabt, mich aus dem Eisloch zu befreien. Das hätte ich nicht gedacht“, staunte Hobbytaucher Ralf Rohwer aus Borgdorf-Seedorf. In einen speziellen Wärmeanzug gehüllt spielte der 27-Jährige das Opfer. Gut 30 Minuten hätte er es so geschützt in dem zwei Grad kalten Wasser ausgehalten.

„Die größte Gefahr für ins Eis eingebrochene Personen ist die starke Unterkühlung und die dadurch schwindenden Kräfte. Zusammen mit dem Abwärtstrieb schwerer Winterkleidung führt dies meist schon nach etwa fünf Minuten zum Ertrinken“, erklärten die Einsatzkräfte.

„Das ist super, dass wir dieses Szenario einmal üben können. So ein Einsatz kann uns im Moment jeden Tag ereilen“, sagte Amtswehrführer Dirk Arendt. Durch Zufall hatte Thomas Schröder, Zugführer bei der Nortorfer Wehr, von Eistauchplänen der Tauchgruppe um den Schülper Martin Kloss gehört. Schröder nutzte die Gelegenheit und plante die realitätsnahe Übung. Neben der eigenen Wehr und den Sporttauchern machten auch die Feuerwehren aus Blocksdorf, Borgdorf-Seedorf, Eisendorf, Langwedel und Warder mit. Hinzu kamen Ersthelfer der DRK-Ortsvereine Nortorf und Bordesholm sowie Vertreter der Polizeizentralstation Nortorf.

Vor Übungsbeginn hatten die Organisatoren mit schweren Kettensägen ein Loch in das etwa 15 Zentimeter dicke Eis geschnitten. Jede Wehr hatte dann eine halbe Stunde Zeit, ein eingebrochenes Opfer zu bergen.

Um die Auflage möglichst großflächig zu verteilen, lagen die Einsatzkräfte auf Steckleitern, die sie in Richtung Eisloch schoben. „Gleich hast Du es geschafft, ganz ruhig“, rief Thorsten Laß dem eingebrochen Ralf Rohwer zu. Behutsam zog er ihn aus dem Loch auf die Leiter. Vom Ufer aus wurden beide dann mit einer Leine an Land gezogen.

Wer als Unbeteiligter einem Eingebrochenen zur Hilfe eilen muss, sollte unbedingt einige Hinweise beachten: „Man darf dem Opfer niemals die Hand reichen. Der Verunglückte ist in Panik und kann einen mit ins Wasser reißen. Besser man nimmt einen Ast oder ähnliches“, sagte Thomas Schröder. Helfer sollten sich zudem flach auf das Eis legen und sich unbedingt anleinen, zur Not auch mit einem Abschleppseil oder mit einer Hundeleine.

Ein Geretteter sollte möglichst wenig bewegt werden, dies könnte sonst zum so genannten Bergungstod führen. „Es kommt kaltes Blut aus den Extremitäten in den wärmeren Körperkern und kann einen Herzstillstand verursachen“, erläuterte Schröder, der selbst ausgebildeter Rettungssanitäter ist.

Angeleint und mit Steckleiter rettet Thorsten Laß (links) den eingebrochenen Sporttaucher Ralf Rohwer. Foto: Schimrock